Der Jugendprotest, welcher bereits in den 50er und 60er Jahren
in den USA begonnen hatte, schwappte in den 60er Jahren auch nach Finnland
über. Im wesentlichen erwuchsen die Proteste aus der Kluft zwischen den
Generationen, die dadurch entstanden war, daß sich die erwachsen gewordene
Nachkriegsgeneration ein Wertesystem zugelegt hatte, welches sich von den
traditionellen Werten beträchtlich unterschied. Alle zentralen Stützen
der Gesellschaft, wie Elternhaus, Kirche, Vaterland, Armee und Schule wurden
zum Gegenstand der Kritik. Man ersetzte den Materialismus der älteren
Generation durch internationale Solidarität und Hilfestellung für
die Bedürftigen im eigenen Land. Besonders die Einstellung der älteren
Generation gegenüber der Sexualität wurde als doppelte Moral kritisiert.
In Finnland führte dieser Widerspruch zu vielen öffentlichen Diskussionen,
von denen die bekanntesten durch die Bücher von Paavo Rintala (Partisanenleutnant)
und Hannu Salama (Mittsommertänze) hervorgerufen worden sind.
Die jungen Leute riefen zahlreiche Bewegungen ins Leben, die sich jeweils
einer Sache verschrieben hatten. Die erste war das 1963 gegründete "Hunderterkomitee",
welches für den Pazifismus eintrat. Das Komitee rief Männer dazu
auf, den Wehrdienst zu verweigern, was zu zahlreichen Prozessen führte,
die bei der Bevölkerung große Aufmerksamkeit erregten.
Andere wichtige Bewegungen waren die feministische Vereinigung9
sowie die Novemberbewegung, die sich der Verteidigung der Rechte von gesellschaftlich
Ausgegrenzten verschrieben hatte.
Im allgemeinen faßten in diesen Bewegungen und unter den Jugendlichen
generell linke Anschauungen immer mehr Fuß. Die Vorbilder stammten aus
dem Ausland, aber auch finnische innenpolitische Ereignisse - wie die Beteiligung
der Kommunisten an der Regierung 1966 - leisteten der Forderung nach radikalen
Reformen Vorschub. Die Verzögerung von Reformen spaltete die kommunistische
Partei in zwei Lager: Es standen sich die Gemäßigten und die Radikalen
gegenüber.
Die Lapualaisooppera (Lapua-Oper), welche von Arvo Salo 1966 geschrieben und
von einem Studententheater aufgeführt wurde, gilt allgemein als Anfang
des neuen Linksradikalismus in Finnland. Die Oper kritisiert den in den 30er
Jahren vorherrschenden Rechtsradikalismus und die Anwendung von Gewalt in
der Politik.In anderen Ländern, besonders aber in Frankreich, führte
der Radikalismus der Studenten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.
In Finnland dagegen stellten die Besetzung des Studentenhauses in Helsinki
und die Proklamation vom Ausbruch der Revolution den Höhepunkt der Proteste
dar.