Das Adreßbuch von 1812
Neben den Steuerregistern und Volkszählungen haben auch die Adreßbücher Bedeutung , vor
allem wenn es darum geht, die Wohnstruktur einzelner Stadtviertel und Straßen zu erforschen.
Mit der Auswertung des ersten Rostocker Adreßbuches wurde ein erster sozialtopographischer
Ansatz geschaffen, da hier nur eine soziales Merkmal, der Beruf, in Bezug zum geographischen
Raum gesetzt wurde, es sich aber für eine umfassende Sozialtopographie erforderlich macht, ein
Geflecht von sozialen Merkmalen wie z. B. Bildung, Stellung im Beruf, Maß der politischen
Anteilnahme und andere Angaben wie Häuserwerte und Grundstücksgrößen auszuwerten.
Die erstellte Berufsstruktur ist unter dem Aspekt zu relativieren, daß im Adreßbuch nur etwa die
Hälfte aller erwerbstätigen Personen des Jahres 1812 vertreten waren.
Mit Hilfe einer Karte von 1780/90 , die die Straßenfronten der Grundstücke enthält, und die
eingescannt und bearbeitet wurde, konnten die Angaben verortet werden.
Die Ergebnisse zeigen, daß es bei Berufen, die auf natürliche Gegebenheiten angewiesen waren,
erwartungsgemäß große Abhängigkeiten zu ihrem Standort auftraten. Am deutlichsten sieht man
das bei den Gerberberufen Tafel 1, die sehr stark auf fließendes
Wasser angewiesen waren, und auch bei den Schiffern Tafel 2,
deren Wohstandorte sich in hafennaher Lage befanden.
Der Handel Tafel 3 siedelte sich bevorzugt an den
Hauptverkehrsadern und zentralen Plätzen an, mit der Annahme, daß eine vollständige
Handelsstruktur die Tendenz noch verstärken würde.
Wohnstandorte der Ratsherren und der Hundertmänner
Im Gegensatz dazu gab es einige Berufsgruppen wie z. B. die Gruppe der Bekeleidungsberufe Tafel 4, die sehr dispers im Stadtgebiet verteilt waren und bei denen
keine Abhängigkeiten vom Standort festgestellt wurden.
Aufgrund der Angaben des Etats der Stadt Rostock von 1812 konnte eine Aussage getroffen
werden zu den Wohnstandorten der Ratsmitglieder und der Rostocker Bürgerschaft (siehe Abbildung 1 "Wohnstandorte der Ratsherren und der
Hundertmänner" ), da diese bis auf zwei Ausnahmen vollständig im Adreßbuch vertreten waren.
Hier kann man zumindestens feststellen, daß viele Ratsherren und auch Kaufleute (als Mitglieder
des ersten Quartiers der Hundertmänner) an exponierter Stelle wohnten. Zwahr