Geschichtskartographie
In den letzten Jahren wurden die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Geschichtskartographie Mecklenburgs und Vorpommerns in wesentlichem Maße verbessert. Dabei sind vor allem die folgenden Veränderungen zu nennen:
1. die Bildung von neuen Bundesländern;
2. die Aufhebung der Geheimhaltung von topographischen Karten, die auch für die historische Kartographie wichtige Arbeitsgrundlage darstellen;
3. die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der graphischen Datenverarbeitung.
Die Bildung des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern lieferte wichtige Impulse für geschichtskartographische Aktivitäten. Die erste Konzeption für einen Geschichtsatlas für Mecklenburg-Vorpommern wurde im November 1991 an dem, von dem Ministerpräsidenten eröffneten Symposium „Historische Kartenkunde, Geschichtskartographie, historische Geographie und Landesgeschichte“ vorgestellt.Anmerkung 3 Die ersten Karten für diesen Atlas wurden im April dieses Jahres von der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Mecklenburg-Vorpommern herausgegeben.Anmerkung 4 Dieser Atlas und der „Atlas zur Verkehrsgeschichte Schleswig-Holsteins im 19. Jahrhundert“ Anmerkung 5 sind die ersten historischen Atlanten in Deutschland, die ausschließlich mit Hilfe der Computerkartographie erarbeitet wurden. Die Geschichtskarte stellt besonders hohe Ansprüche an die graphische Qualität. Die Graphikprogramme (z. B. Aldus Freehand, Corel Draw) liefern erst in der gegenwärtigen Phase Möglichkeiten, mit deren Hilfe die graphische Qualität der traditionellen Kartographie erreicht bzw. auch übertroffen werden kann. Der Nachteil der graphischen Programme besteht darin, daß sie eine Datenbankverbindung so wie die bei den Geo-Informationssystemen verwendete Software nicht herstellen können. Andererseits erreicht die graphische Qualität der Karten, die mit der Software für Geo-Informationssysteme erarbeitet werden, nicht den graphischen Standard der Geschichtskartographie. Dieses Dilemma wird in absehbarer Zeit nicht vollständig beseitigt werden. Es gibt zwar bestimmte Überbrückungsvarianten, so z. B. wurde bei der Erarbeitung von den Geschichtskarten für den Atlas Mecklenburg und Pommern eine interaktive Datenbankverbindung geschaffen, aber man kann auf dieser Grundlage noch kein umfassendes historisches Informationssystem aufbauen. Es scheint so, daß sich die Geschichtskartographie und historische Informationssysteme als zwei miteinander zwar eng verbundene, jedoch als relativ selbständige Gebiete entwickeln werden. Die Divergenz resultiert jedoch nicht allein aus den technischen Möglichkeiten, sondern auch aus den verschiedenen Funktionen.
Die weitere Entwicklung der Geschichtscomputerkartographie und die historischen Informationssysteme hat an der Universität Rostock hardware- und softwaremäßig eine gute Ausgangsposition, die gegenwärtig weiter ausgebaut wird. Die Geschichtscomputerkartographie und die historischen Informationssysteme wurden als Lehrgegenstände wahrscheinlich hier erstmalig in Deutschland in die Ausbildung von Historikern eingeführt. Weiterhin ist eine interdisziplinäre Lehrveranstaltung zu der Anwendung von Animationen in der Geschichtswissenschaft geplant, in der Historiker- und Informatikstudenten zusammengeführt werden.