2.3. Die Verteilung der "Wohnkeller" und der Schiffer über die Stadtfläche

Das erste der beiden ausgewählten Kartenbeispiele zeigt die Lage von Grundstücken mit sogenannten "Wohnkellern". [KRO95] Für das Jahr 1706 konnten 73 bewohnte und drei unbewohnte Wohnkeller ermittelt werden. Sie kamen in Stralsund sowohl unter- wie oberirdisch vor und besaßen in der Regel lediglich einen kleinen Wohnraum mit Kachelofen. Zumeist handelte es sich um dunkle, sehr kleine und niedrige Behausungen. Die Bedeutung der "Wohnkeller" für den Stralsunder Wohnungsmarkt war - wie übrigens auch in Lübeck - seit dem späten Mittelalter deutlich zurückgegangen. In den Stralsunder Haussteuerregistern ist von zahlreichen ehemaligen, nunmehr umgewidmeten oder verfallenen "Wohnkellern" die Rede. Der Gesamtanteil an allen Stralsunder Wohnungen betrug (ohne die Vorstädte) nur rund 4,5%. Topographisch betrachtet, konzentrierten sie sich rund um den Alten Markt, in der Heilgeist- und der Marienstraße sowie auffällig im Bereich der heutigen Mönchstraße Nr. 40-47. Dabei ist zu berücksichtigen, daß "Wohnkeller" nur dort bewohnt werden konnten, wo keine allzu große Feuchte herrschte und sie vor Überschwemmungen sicher waren.

Abgesehen von drei Ausnahmen, lassen sich Angaben zu den Berufen bzw. Lebensumständen der Bewohner machen. Die größte Gruppe stellten mit 15 Personen die Soldaten (z.T. als einquartierte Garnisonsangehörige), gefolgt von neun städtischen Dienern und sechs Trägern. Weiter waren vertreten: sechs Witwen von Tagelöhnern oder Trägern, fünf Krüppel oder "arme Männer", vier Prövner, die sich auf Lebenszeit eingekauft hatten, vier Tagelöhner, drei nicht näher spezifizierte alte oder arme Handwerker, drei Handwerker-Witwen, je zwei Schopenbrauer, Schuhflicker und Kleinfischer sowie ein Maurermeister, ein Amtsbote, eine Soldaten-Witwe und eine "arme Frau". Hinzu kam noch in fünf Fällen die Angabe "armes Volk."

Die zweite ausgewählte Karte zeigt die Verteilung der von den Stralsunder Schiffern im Jahre 1706 bewohnten Häuser. Die meisten von ihnen besaßen Wohneigentum, nur eine Minderheit wohnte zur Miete. Aufgetragen sind auch die Witwen von ehemaligen Schiffern. Unverkennbar ist die Konzentration der Wohnungen in den hafennahen Gebieten.

1706 bestand die Stralsunder Flotte aus insgesamt 68 Schiffen unterschiedlicher Größe. [KRO97] In diesem Jahr verkehrten Stralsunder Schiffe bis nach Amsterdam und England im Westen, nach Norwegen im Norden und nach Riga im Osten. Die mit Abstand wichtigste Handelsverbindung war jedoch die nach Schweden. Nach Norwegen, den Niederlanden und ins Baltikum wurden vor allem große, nach Dänemark und Schleswig-Holstein dagegen besonders viele kleinere Schiffe eingesetzt. Die Stralsunder Schiffe liefen vor allem mit Malz, Roggen und anderen Getreidesorten aus, während Wein, Fisch, Salz, Holz, Teer, Eisen und Pech unter den importierten Waren herausragten.

Die typische Betriebsform der Seeschiffahrt war in der frühen Neuzeit die sogenannte Partenreederei. Die Schiffseigner beteiligten sich mit unterschiedlich großen Anteilen am Bau, an der Ausrüstung und an der Unterhaltung des Schiffes. Im Unterschied zur ursprünglichen Form der Befrachtergemeinschaft nutzten die Reeder eines Schiffes ihre Parten im 17./18. Jahrhundert häufig nur noch als gewinnbringende Kapitalanlage. Fast immer waren die Schiffer über sogenannte "Parten" Anteilseigner an den von ihnen geführten Schiffen. Rund ein Viertel aller Anteile befanden sich in ihrem Besitz.

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